Ssseit gestern hier – Die Schlange als Eventbühne
Ein Mittwoch im März, 03:00 Uhr
Es ist mitten in der Nacht. Auf einem Bürgersteig in Köln-Mülheim sitzt und liegt eine kleine Gruppe an Menschen. Metallisches Silber und Gold glitzern durch das Licht der Laternen. Die Rettungsdecken fest um sich geschlungen, versuchen die Personen, etwas Schlaf zu bekommen und sich zu wärmen. Jemand von ihnen filmt das Bild des Bürgersteigs und schreibt vielleicht “Queue Update 3 Uhr”, bevor das Video auf Social Media landet. Denn die Durchgefrorenen und Verschlafenen auf dem Boden liegen dort nicht ohne Grund, sie warten.


Niemand kommt um das Warten herum. Wir alle haben schon gewartet und werden auch in Zukunft nicht darum herumkommen, zu warten. Sei es auf den Bus, auf eine Verabredung, auf eine Note oder an der Supermarkt-Kasse. Die Soziologin Ruth Ayaß diskutiert, dass das Warten sich häufig anfühlen würde wie nichts zu machen. Eine ungeordnete, passive Aktivität, durch die man durchmuss. Aber das stimmt so nicht. Denn, so Ayaß, man macht nicht nichts, sondern man wartet. Sie nennt dies “doing waiting” (Ayaß 2020: 419) und betont, dass es sich um eine geordnete Praxis mit einem ausgeprägten Handlungsrepertoire handelt.
Eine Art zu warten, die wohl eine der offensichtlichsten ist, ist die Warteschlange. Sie birgt Konfliktpotenzial, vereint kulturelle Annahmen und Regeln in sich, und „ist ein beliebtes Erzählmotiv und führt praktisch überall zu Anmerkungen und Diskussionen“ (Ehn, Löfgren 2012: 57). Sie können dabei unterschiedliche Formen annehmen. Wartende in der Schlange können linear hintereinander stehen, sie können sich um die Kurve schlängeln, sich in Trauben formen oder, wenn zum Beispiel Nummern gezogen werden, sich über einen Platz verteilen. Warteschlangen bilden sich an verschiedenen Orten und aus unterschiedlichen Gründen, zum Beispiel vor einem Konzert. Nicht jede Person wartet dort lange in einer Schlange, selbst wenn sie ein Ticket hat, denn manche kommen erst, nachdem der Einlass begonnen hat. Doch die Konzertgänger*innen, die sich früher anstellen, warten mit Absicht und mit der Bereitschaft zu einem größeren Zeitinvestment. Konzertwarteschlangen bilden sich zum Beispiel in Innenhöfen, öffentlichen Plätzen, Seitenstraßen oder eben auf dem Bürgersteig vor dem Veranstaltungsort.
An diesen öffentlichen Orten habe ich gemeinsam mit Fans auf ihre Konzerte gewartet, ohne selbst ein Ticket für die Veranstaltung zu haben. Ich habe an der Aktivität des Wartens teilgenommen, Gespräche gesucht, Interviews geführt und schlussendlich eine Warteschlange imaginiert, die einen Teil der Geschichten und Bilder dieser Erfahrungen widerspiegelt. Lass uns zusammen mit den Menschen auf ihr Konzert am Abend in dieser Schlange warten und dabei ihre Stimmen sowie die von Wissenschaftler*innen hören, die sich mit Fragen in diesem Bereich bereits beschäftigt haben.
Mittwoch, 10:00 Uhr
Es ist nun Vormittag und der Bürgersteig hat sich weiter gefüllt. Picknickdecken wurden ausgebreitet, Campingstühle ausgeklappt. Aus einer Bluetooth-Box wird laut Musik gespielt und jemand springt auf, um den passenden Tanz zu dem Song zu demonstrieren. Die Geräusche von Gelächter und Gesprächen werden lauter, die Wartenden von heute Nacht wachen weiter auf, während die Schlange wächst. Wer neu ankommt, wird zunächst nach vorne verwiesen, um sich eine Nummer von anderen Fans auf den Handrücken schreiben zu lassen. Die Nummer zeigt den Platz in der Schlange an, man könne somit zwischendurch ohne die Sorge, den Platz zu verlieren, kurz die Schlange verlassen. Später verteilt das Security-Personal Armbänder mit Nummern. Diese Nummern fühlen sich offizieller an, die Wartenden befürworten die Initiative des Veranstalters. Trotzdem sollte man nicht lange gehen, wird erzählt. Häufig sind Warteschlange charakterisiert durch Unbeweglichkeit, denn man kann den Raum der Schlange in der Regel nicht verlassen, ohne um seinen Platz bangen zu müssen (vgl. Ayaß 2020). Durch sogenannte ‘Numbering’-Systeme, unabhängig davon, ob sie intern von Fans oder extern durch den Veranstalter organisiert werden, wird diese räumliche Bindung zum Teil aufgehoben. Die grundlegende, aber meist unausgesprochene Regel einer Warteschlange, dass niemand sich vordrängeln darf, bleibt dabei bestehen, wird jedoch neu ausgelegt. Die Nummern legitimieren eine temporäre Abwesenheit, ohne dass der Anspruch auf den Platz verloren geht. Die Numbering-Systeme schaffen den Rahmen für eine Ordnung, die auf Vertrauen und Anerkennung der Regeln basiert und das Verhalten in der Warteschlange strukturiert.
Viele der Fans, die warten, kennen diese Systeme schon, manche helfen bei der Organisation und der Durchführung von Ordnungssystemen und geben das Wissen weiter. Ramona erzählt, dass sie schon einmal ein ‘Fan-Numbering’ mitorganisiert hat. Sie sagt, dass es zwar stressig sei, aber auch “[…] mittlerweile so automatisiert [ist], dass Leute dann an den Anfang der Queue gehen und dann so fragen, hey, wer macht das Numbering?”.


Im Laufe des Tages gehen immer wieder Wartende herum und fragen, ob jemand ‘Freebies’ haben möchte. Also zum Beispiel selbstgebastelte Armbänder, vorbereitete Kunstdrucke, Schlüsselanhänger oder Banner. Vielleicht wurde auch ein Fan-Projekt vorbereitet, um die Künstlerin oder den Künstler zu überraschen, und die Anweisungen an die Fans werden verbreitet. Die Wartenden kommen vorbereitet. Listen werden geschrieben und geteilt. Man muss sich warmhalten können oder Abkühlung vorbereiten, Elektrolyte sind empfohlen und man sollte genug getrunken haben. Die Sachen können später in das Auto oder in ein Hotel in der Nähe gebracht werden. Der Organisationsaufwand ist hoch, die Vorbereitung auf das Warten wird nicht nur durch das Outfit getroffen, sondern auch an die Zeit in der Warteschlange angepasst. Charlotte aus Kanada reist für ihren Lieblingskünstler um die ganze Welt und veröffentlicht auf ihrem Instagram-Profil mit über zehntausend Follower*innen Posts, in denen sie Tipps gibt, wie andere, unerfahrene Fans sich vorbereiten können und was sie mitbringen sollten, um die Warteschlange gut zu überstehen. So stellt sie fest: “Because I thought, well, if I was new, I would want to know what I should bring.” Hier erklärt sie, was ihre “survival lists” umfassen und besonders die Rettungsdecke ist dabei ein Muss für sie. Ob zum Wärmen, Abschirmen der Hitze oder als Decke, um sich draufzusetzen, sie empfiehlt den Wartenden, sich eine mitzubringen.
Spätestens jetzt wirkt die Warteschlange nicht mehr nur wie ein Ort, wo die Fans nur auf den Einlass warten. Mehrere der Wartenden, die wir heute treffen, erzählen, dass das Warten für sie zu ihrem Konzerterlebnis dazugehört. Für sie beginnt das Konzert nicht erst mit dem Einlass. Der Soziologe Ronald Hitzler beschäftigt sich mit Events und dem Trend der Eventisierung. Er erklärt, dass Events besondere Erlebnisse sind, die uns aus dem Alltäglichen holen. Wir verlassen den Alltag und halten uns an neue, temporäre Tagesabläufe, Prioritäten und Regeln, bevor wir zu ihm zurückkehren. Mit dem Begriff der Eventisierung ist gemeint, dass immer mehr Lebensbereiche nach der Logik von Events gestaltet und auf außergewöhnliche Erlebnisse ausgerichtet werden. Events bieten zudem auch einen Raum für “gemeinsame […] Selbst-Inszenierung” (Hitzler 2011: 13). In der Konzertwarteschlange passiert das zum Beispiel durch die aufwendigen Outfits und das Make-Up, die Freundschaftsarmbänder und Banner, die Posts auf Social Media und die Fotos vor der Halle. Die Warteschlange wird dadurch selbst zu einer Bühne und das Warten zu einer Performance.
Mittwoch, 15:00 Uhr
Es ist inzwischen Nachmittag. Die Jacken sind ausgezogen und die mitgebrachten Decken, Spiele und der Proviant werden langsam weggebracht. Nun werden auch die aufwendigen Outfits und Frisuren sichtbarer. Die Warteschlange wächst, während die Spannung langsam ansteigt. Sjoeke und ihre Freundinnen holen einen kleinen Ball aus ihrer Tasche, bauen einen Parcours auf und beginnen zu dribbeln. Immer mehr aus der Schlange schließen sich dem Spiel an und spielen gemeinsam Fußball, um sich die Zeit zu vertreiben. Das Security-Personal hat inzwischen einen Parcours anderer Art aufgebaut. Metallene Zäune und ein Absperrband markieren den Bereich, in dem die Fans warten und moderieren die Ordnung der Schlange von außen. Sie wird nun nicht nur sozial von den Fans organisiert, sondern auch räumlich markiert und kontrolliert. Der Raum wird weiter gestaltet. In regelmäßigen Abständen stellt jemand leere Kisten und Einkaufswagen ab, die sich langsam mit leeren Flaschen füllen.


Aber nicht nur der physische Raum verändert sich im Laufe des Tages. In ihm entsteht auch ein sozialer Raum, in dem Fremde zu Bekannten, zu Verbündeten oder auch zu Freunden werden. Wie bereits erklärt, verlassen die Fans für ihr Event ihren Alltag und kehren später wieder in ihn zurück. Sie befinden sich währenddessen in einem Übergangsraum, den man als liminal beschreiben kann. Der Anthropologe Victor Turner definiert Liminalität als eine zeitlich begrenzte Schwellenphase zwischen zwei sozialen Zuständen, in der die gewohnte Ordnung außer Kraft gesetzt wird (vgl. Nimführ 2020). Dieser Zwischenzustand wird zudem charakterisiert durch eine Anonymität der Personen, die diese liminale Phase begehen, die deutlich wird durch die Loslösung von bekannten Statusmerkmalen (vgl. Bräunlein 2012). Bei den Gruppen, die sich in der Warteschlange bilden, sind zum Beispiel Alter und Beruf nicht wichtig, um gemeinsam Teil der Wartegemeinschaft zu sein. Celina und Cindy gehen seit über einem Jahr zusammen auf Konzerte. Die 19-jährige Celina macht eine Ausbildung zur Buchhändlerin, während die 35-jährige Cindy bei der Post arbeitet und einen Sohn in Celina’s Alter hat. Auf den ersten Blick stellen sie ein ungewöhnliches Duo aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensrealitäten dar. Das alles hat aber keine Rolle gespielt, als sie sich in der Warteschlange eines Konzertes kennengelernt haben. Inzwischen teilen sie sich auch ein Hotelzimmer, wenn sie zusammen zu weiteren Veranstaltungen reisen. Sie und ihre Gruppe, die sich zum Teil erst an diesem Tag kennengelernt haben, vergleichen ihre Verbundenheit mit einer Familie, und sie sind dabei nicht die einzigen. Die Wartenden beschreiben ihre Gruppierungen dabei selbst eine Art von Gemeinschaft, die Turner als Communitas beschreiben würde. Communitas beruhen weniger auf bestehenden Beziehungen als auf dem gemeinsamen Erleben eines Augenblicks, in dem alltägliche Unterschiede und Hierarchien in den Hintergrund treten (vgl. Nimführ: 2020). Eine weitere Eigenschaft dieser Gemeinschaften ist die Bereitschaft, in ihrem liminalen Raum ein gewisses Maß an Leid hinzunehmen (vgl. Bräunlein: 2020). Eine Nacht auf dem Bürgersteig oder auch nur einige Stunden ist für die meisten der Wartenden anstrengend. Jedoch sind sie und ihre spontane, neu gebildete Communitas bereit, diese Unannehmlichkeiten hinzunehmen. Nicht miteinander zu warten vor einem Konzert fühlt sich für manche der Fans komisch an. Charlotte erzählt uns, dass ihr etwas fehlt, wenn sie vor einem Konzert nicht wartet. Das, was ihr fehlen würde, sei eine Gemeinschaft, die bereit ist, zusammen zu warten, auch wenn es anstrengend oder unangenehm wird.
“And the difference is not having [the] queue, not having a community of people who are willing to go through something that’s not particularly pleasurable to get something really great at the end.” – Charlotte
Sjoeke benutzt das Bild von einem Boot, in dem man gemeinsam sitzt, und da “irgendwie durchmuss”, um das noch anschaulicher zu machen. Zwei andere Fans, die beide ursprünglich alleine zu dem Konzert gegangen sind, stellen fest, dass sie in dem gleichen Hotel unterkommen und entwickeln Pläne für die gemeinsame Rückfahrt, damit sie sich in der ihnen unbekannten Stadt nicht alleine zurechtfinden müssen.
Die erfahrenen Fans haben zudem Zugriff auf Praktiken und Wissen, auf das sie während ihrer Wartezeit zurückgreifen können und welche sie weitergeben. So haben wir zum Beispiel in unserer Schlange gelernt, dass wir uns nach dem Ankommen in der Warteschlange nicht direkt hinten anstellen, sondern uns zunächst vorne eine Nummer abholen. Und Cleo erinnert uns, dass wir ausreichend trinken müssen, aber auch nicht zu viel, weil es nicht überall Toiletten gibt. “That’s a really good one that I learned from other concert goers along the way.”, erzählt sie. Innerhalb der temporären Gemeinschaft scheint sich somit eine längerfristige Community of Practice entwickelt zu haben. Oder, wie Cleo es ausdrückt: “You learn in pit.”
“Ich bin ein sehr, sehr ungeduldiger Mensch, deswegen ist das Warten eigentlich nicht meine Stärke. Und ich war auch heute Morgen die ganze Zeit unglaublich müde und es war sehr, sehr kalt und dann hatte ich auch nicht so die beste Laune aber je mehr Leute kamen und dann die Sonne aufgegangen ist und sowas, da kriegt man diese Vorfreude in sich drin und einfach dieses mit Leuten sich austauschen […] und sowas alles finde ich ja total toll, dass Leute so ihre Experiences so miteinander teilen können und so, find ich richtig schön einfach.” – Sarah


Mittwoch, 18:00 Uhr
“And everything is super happy and fun in the fan line, in the queue line, until about an hour before. And then everyone gets kind of feral.“ – Charlotte
Es ist inzwischen Abend geworden und der Einlass zu dem Konzert wird bald beginnen. Am Anfang der Schlange ist die Anspannung und die Vorfreude auf einem neuen Höchststand. Inzwischen steht ein Großteil der Fans hintereinander, Lücken haben sich gefüllt. Jemand dreht sich ruckartig um, eigentlich weil sie eine Freundin gesehen hat, aber alle reagieren in der Schlange auf ihre plötzliche Körpersprache und zucken zusammen – Geht es jetzt los? Was passiert? Ein kurzer Moment aufkommender Massenpanik, der so schnell wieder verfliegt, wie er begonnen hat. Schnell werden noch die letzten Strategien ausgetauscht, die richtige Taktik ist jetzt wichtig. Wissen alle aus der Gruppe, welche Seite der Bühne angesteuert wird? Wer geht T-Shirts für alle kaufen oder die Jacken zur Garderobe bringen, während sich die anderen den besten Platz sichern? Waren alle nochmal zur Toilette? Sind die Wasserflaschen leer und abgegeben? Ist der Handy-Akku geladen und sind die Tickets bereit? Sind alle – warte einen Moment. Die dort vorne waren doch noch nicht die ganze Zeit da, oder? Sie haben auch keine Nummer auf ihrem Handrücken. Die Wartenden am Anfang der Schlange werden unruhig, haben sich Leute vorgedrängelt? Angeblich kennen sie andere, die vorne stehen, aber dennoch löst es Gefühle von Ungerechtigkeit und Unfairness bei denjenigen aus, die den ganzen Tag gewartet haben und die Zeit investiert haben.
“Und plötzlich stehen statt zehn Leuten so 20 vor dir und man ist so: “Ich habe den ganzen Tag hier gewartet, und dann kommt ihr jetzt einfach und sagt, ihr kennt wen.” Und man denkt sich so: “Ich könnte auch den Papst kennen und komm trotzdem nicht in den Vatikan.” So, weißt du? Also nee, das finde ich echt, da habe ich dann auch immer schlechte Laune teilweise, weil ich so bin, ich habe gewartet, du nicht.” – Celina
Celina’s Frustration zeigt, wie wichtig die Einhaltung der Regeln für diese temporäre Gemeinschaft ist. Auch die Ethnologen Billy Ehn und Orvar Löfgren konnten beobachten, dass temporäre Wartegemeinschaften zwar intensiv, aber gleichzeitig auch fragil sind. Die entstandene, zeitlich begrenzte Gemeinschaft kann jeden Moment zerbrechen, wenn ihre Ordnung nicht eingehalten wird und die Zeit, die sie investiert hat, nicht respektiert wird (vgl. Ehn, Löfgren: 2012). So gut kennt man sich schließlich doch nicht und voraussichtlich wird man sich auch nie wieder treffen. Schlussendlich ist jede*r auf sich selbst gestellt.
Wir verlassen die nervösen Wartenden am Anfang der Schlange und gehen jetzt bis zum Ende der Schlange durch. Die Konzertbesucher*innen hier sind gerade erst angekommen und haben somit nicht lange gewartet und hatten es auch nie vor. Die Fans hier hinten haben von dem, was an dem Tag auf dem Bürgersteig stattfand, nichts mitbekommen. Es fällt ihnen schwer, Verständnis für den Zeitaufwand der länger Wartenden aufzubringen. Mit hochgezogenen Augenbrauen äußert sich jemand mit: „Boah, nachts dann in Mülheim? Das ist crazy.“ Die Wartenden haben durch eine banal scheinende Tätigkeit wie das Warten einen ebenso unscheinbaren Raum wie einen Innenhof, eine Seitenstraße oder eben den Bürgersteig in Köln-Mülheim mit Bedeutung aufgeladen. Sie nutzten diese Räume, um eine temporäre Infrastruktur zu bilden, die den Austausch, die Begegnung und die Gemeinschaft unter Fremden anbot. Durch Gespräche, Musik, Tanz und Kostüme wurde die Warteschlange zu einem Event, welches für einige der Konzertbesucher*innen Teil des Konzerterlebnisses war. Für Außenstehende oder späte Ankömmlinge hat dieses Event-vor-dem-Event schlichtweg nicht stattgefunden.
Donnerstag, 10:00 Uhr
Es ist der Tag nach dem Konzert. Der Bürgersteig ist leer. Keine Einkaufswagen oder Absperrungen sind zu sehen, keine Musik, keine Gespräche und kein Gelächter zu hören. Das Event ist vorbei. Der Bürgersteig wurde von den Wartenden durch ihr Warten zu einem Ort der Begegnung konstruiert. Ohne sie verschwindet er.
Ayaß, Ruth. 2020. ‘Doing Waiting: An Ethnomethodological Analysis.’ Journal of Contemporary Ethnography 49(4), 419–455.
Bräunlein, Peter J. 2012. Zur Aktualität von Victor W. Turner: Einleitung in sein Werk (Wiesbaden: Springer VS).
Ehn, Billy, und Orvar Löfgren. 2012. Nichtstun: Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen (Hamburg: Hamburger Edition).
Nimführ, Sarah. 2020. ‘Liminalität’, in Timo Heimerdinger und Markus Tauschek, Hrsg., Kulturtheoretisch argumentieren (Münster: Waxmann), 270–293.
Hitzler, Ronald. 2011. Eventisierung: Drei Fallstudien zum marketingstrategischen Massenspaß (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften).
Hintergrunddesign: Header Foto von Plufow Le Studio auf Unsplash und Fotokasten Foto von Vincent Maufay auf Unsplash
Fotografien: Maike
Moin! Ich bin Maike (Sie/Ihr) und als passionierte Konzertgängerin habe ich selbst schon einige Stunden in der Konzertwarteschlange verbracht. Statt später auch vor der Bühne, stand ich im Rahmen von meiner Forschung aber nur auf dem Bürgersteig. Ich habe mich mit Fans unterhalten, Interviews geführt, beobachtet und versucht zu verstehen, was in einer Warteschlange eigentlich passiert.
Danke an die Wartenden, mit denen ich für mein Projekt gemeinsam “nichts” machen durfte. Nächstes Mal bleibe ich sicherlich wieder bis nach dem Einlass, diesmal auch mit Ticket.
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