Hier siehst du unsere Erklärungen für einige Wörter, die wir in unseren Beiträgen benutzen. Die Erklärungen sind mal auf deutsch, mal auf englisch – je nach Sprache des Projekts. Wir haben immer dazugeschrieben, in welchen Projekten der Begriff vorkommt. Schau also in den Projekten vorbei, um die Begriffe „live“ zu erleben.
Aestheticization
Ästhetisierung
The framing of social phenomena primarily in terms of appearance, attractiveness, cleanliness, or visual order. In this project, homelessness is often treated as a disturbance to the image of public space rather than as a consequence of social inequality. (Find it in: 6)
Ein Bezugsrahmen, in dem Sachverhalte primär nach visuellem Erscheinungsbild, Attraktivität oder Sauberkeit bewertet werden. Beispielsweise wird in Projekt 6 Obdachlosigkeit oft als Störung des Erscheinungsbilds öffentlicher Räume behandelt statt als Folge sozialer Ungleichheit. (Kommt vor in: 6)
Belonging
Zugehörigkeit
The extent to which individuals are recognized as legitimate members of a social or spatial community. Belonging is produced and contested through everyday interactions, institutional practices, and social norms. (Find it in: 1, 6, 7)
Die Anerkennung oder Selbstwahrnehmung von Menschen als legitime Mitglieder einer sozialen oder räumlichen Gemeinschaft. Zugehörigkeit entsteht und wird ausgehandelt durch alltägliche Interaktionen, institutionelle Praktiken und gesellschaftliche Normen. (Kommt vor in: 1, 6, 7)
Brave Space
Alternative zum Safe-Space-Konzept: Statt Sicherheit zu versprechen, wird in einem geteilten Raum Mut eingefordert. Herausforderung und Unbehagen gelten als notwendiger Bestandteil des Lernprozesses in der Gruppe, nicht als Regelverstoß. (Kommt vor in: 9)
Care
Cis-Mann
Eine Person, der bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich auch durchgehend und ausschließlich als Mann identifiziert. (Kommt vor in: 4)
Communitas
Unstrukturierte Gemeinschaften auf Zeit. Sie entstehen spontan durch das gemeinsame Erleben einer Übergangsphase. Geprägt sind sie von einem starken Gefühl von Verbundenheit und dem Aufheben von sozialen Hierarchien. (Kommt vor in: 5)
Community of practice
Containment
Die Einschließung von etwas, wie in einen Behälter („container“ = „Behälter“ auf Englisch). Containment beschreibt, wie zum Beispiel Gedenken an den Faschismus an bestimmte Orte „verbannt“ und dort eingeschlossen wird. Außerhalb dieses „Containers“ gibt es keine Möglichkeit, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Man kann zu Containment auch Einhegung oder Eindämmung sagen. (Kommt vor in: 3)
Dehumanization
Entschmenschlichung
The process through which individuals are perceived as less than fully human, often by denying their individuality, dignity, or social value. Dehumanization can facilitate exclusionary practices and justify unequal treatment. (Kommt vor in: 6)
Der Prozess, durch den Menschen als nicht vollwertig menschlich erscheinen oder wahrgenommen werden, indem ihnen Individualität, Würde oder ihr gesellschaftlicher Wert abgesprochen wird. Entmenschlichung kann ausgrenzende Praktiken begünstigen und ungleiche Behandlung rechtfertigen. (Kommt vor in: 6)
Doing Waiting
wörtlich – das Tun des Wartens. Warten findet nicht passiv in einem leeren Raum statt, sondern ist eine aktive Tätigkeit, verbunden mit eigenen Handlungen und Praktiken. Man macht nicht nichts, man wartet. (Kommt vor in: 5)
Eventisierung
Gesellschaftlicher Trend, der beschreibt, dass immer mehr Lebensbereiche nach der Logik von Events gestaltet und auf außergewöhnliche Erlebnisse ausgerichtet werden. Ein Mechanismus der Eventisierung ist die bewusste Produktion und Inszenierung von Events, also besonderen Erlebniswelten. (Kommt vor in: 5)
FLINTA*
Gender Pay Gap
Gouvernementalität
Ein Begriff, der sagt: Der Staat lenkt Menschen nicht nur durch Gesetze und Verbote. Er steuert sie auch dadurch, dass er Regeln und Bedingungen schafft, unter denen wir uns selbst kontrollieren und passend verhalten. (Kommt vor in: 4)
Heteronormativ(ität)
Gesellschaftliche Annahme, dass alle Menschen heterosexuell sind und dies als die „normale” und gesellschaftlich erwünschte Lebensweise gilt, während Abweichungen davon als „unnormal” markiert werden. Diese Norm wird durch soziale Institutionen und politische Regelungen – von der Ehe bis zur Staatsbürgerschaft – verankert und privilegiert. (Kommt vor in: 9)
Homelessness
Obdachlosigkeit
A condition in which individuals lack secure, permanent, and adequate housing. In this project, homelessness is examined not only as a housing issue but also as a social and spatial condition shaped by public perceptions, policies, and everyday interactions. (Find it in: 6)
Ein Zustand, in dem Menschen keine sichere, dauerhafte und angemessene Wohnung haben. In Projekt 6 beispielsweise wird Obdachlosigkeit nicht nur als Wohnungsproblem, sondern auch als soziale und räumliche Situation betrachtet, die durch öffentliche Wahrnehmungen, politische Maßnahmen und alltägliche Interaktionen geprägt ist. (Kommt vor in: 6)
Invisibility/ Invisibilization
Unsichtbarkeit/-machung
Processes through which individuals or social groups are ignored, overlooked, or rendered socially insignificant despite their physical presence. Invisibilization can occur through everyday practices such as avoiding eye contact, refusing interaction, or excluding certain experiences from public discourse. (Find it in: 6)
Zustand oder Prozess, in dem oder durch die Menschen oder soziale Gruppen ignoriert, übersehen oder gesellschaftlich bedeutungslos gemacht werden, obwohl sie physisch anwesend sind. Unsichtbarkeit entsteht durch alltägliche Praktiken wie dem Vermeiden von Blickkontakt, dem Verweigern von Interaktion oder dem Ausschluss bestimmter Erfahrungen aus öffentlichen Debatten. (Kommt vor in: 6)
Kapital
Der Soziologe Pierre Bourdieu beschreibt die Gesellschaft als aufgeteilt in verschiedene Bereiche, die er „Felder“ nennt – zum Beispiel das Feld der Wissenschaft, das Feld des Sports oder das Feld der Wirtschaft. In jedem Feld gelten eigene, ungeschriebene Regeln: Was zählt als „gutes“ Verhalten? Wie darf man sprechen oder handeln, um akzeptiert zu werden? Diese Regeln unterscheiden sich von Feld zu Feld. Um in einem bestimmten Feld mitmachen zu können, braucht man bestimmte Mittel, die Bourdieu „Kapital“ nennt:
Ökonomisches Kapital: Geld und Besitz. Entscheidet mit, ob man sich Dinge leisten oder an bestimmten Aktivitäten teilnehmen kann.
Kulturelles Kapital: Bildung, Wissen und Fähigkeiten, z. B. Schulabschlüsse, Fachwissen oder künstlerisches Können.
Soziales Kapital: Die Menschen, die man kennt, und die Beziehungen zu ihnen. Ein gutes Netzwerk erleichtert den Zugang zu Informationen, Unterstützung oder anderen Vorteilen.
Symbolisches Kapital: Die Anerkennung, die man von anderen für seine Kapitalformen erhält. Ein Universitätsabschluss etwa bringt im wissenschaftlichen Feld Ansehen, im Sportverein dagegen kaum. Symbolisches Kapital entsteht also erst, wenn andere eine bestimmte Kapitalform in einem bestimmten Feld auch tatsächlich wertschätzen.
Wie viel Macht und Einfluss jemand in einem Feld hat, hängt davon ab, über wie viele dieser Kapitalarten die Person verfügt – und ob diese im jeweiligen Feld als wertvoll gelten.
Männliche Herrschaft
Marginalisierung
Moralization
Moralisierung
The interpretation of social issues through ideas of individual responsibility, deservingness, and personal failure. In discussions of homelessness, moralization often shifts attention away from structural inequalities and toward individual behavior. (Find it in: 6)
Die Umdeutung gesellschaftlicher Probleme als Effekte individueller Verantwortung, Verdienst und persönlichem Versagen. Zum Beispiel bei Debatten über Obdachlosigkeit lenkt Moralisierung die Aufmerksamkeit oft von strukturellen Ungleichheiten und gesellschaftlichen Verantwortlichkeiten weg und stattdessen hin zu individuellem (Fehl-)Verhalten. (Kommt vor in: 6)
Necropolitics
Nekropolitik
A concept developed by Achille Mbembe referring to the power to determine how different populations are exposed to vulnerability, precarity, and conditions of life and death. In this project, necropolitics is used to analyze how practices of displacement, exclusion, and regulation shape the conditions under which people experiencing homelessness can seek shelter, remain present in public space, and survive. (Find it in: 6)
Ein von Achille Mbembe entwickeltes Konzept, das die Macht beschreibt, über das (Über-)Leben oder den Tod anderer Menschen zu bestimmen und auf diese Weise Bevölkerungsgruppen zu regieren. In Projekt 6 beispielsweise wird der Begriff verwendet, um zu analysieren, wie Praktiken der Verdrängung, des Ausschlusses und der Regulierung die Bedingungen prägen, unter denen obdachlose Menschen Schutz suchen, im öffentlichen Raum präsent bleiben und überleben können. (Kommt vor in: 6)
Panoptikum
Ein Gefängnis, in dem alle Gefangenen von einem zentralen Turm aus beobachtet werden könnten, ohne zu wissen, ob sie gerade wirklich beobachtet werden. Das lässt sich auf verschiedene Bereiche in der Stadt übertragen. Dann bedeutet es das sich Menschen stetig beobachtet fühlen. (Kommt vor: 4)
Patriarchal/ Patriarchat
Wörtlich „Vaterherrschaft“ auf Griechisch. Der Begriff beschreibt eine Gesellschaftsform, in der Männer die dominanten Positionen in Politik, Wirtschaft und Familie innehaben. Diese Strukturen sind nicht nur eine Frage individueller Einstellungen, sondern in Gesetzen, Institutionen und gesellschaftlichen Abläufen fest verankert. (Kommt vor in: 8, 9)
Public Space
Öffentlicher Raum
Spaces that are generally accessible to all members of society. Public space is not neutral but is continuously shaped by social norms, power relations, regulations, and competing claims to legitimacy and belonging. (Find it in: 1, 4, 5, 6, 7, 9)
Räume, die grundsätzlich für alle Mitglieder der Gesellschaft zugänglich sind. Öffentlicher Raum ist nicht neutral, sondern wird fortlaufend durch gesellschaftliche Normen, Machtverhältnisse, Regulierungen und konkurrierende Ansprüche auf Legitimität und Zugehörigkeit geprägt und hergestellt. (Kommt vor: 1, 4, 5, 6, 7, 9)
Reproduktionsarbeit
Tätigkeiten jenseits der Lohnarbeit (oder einer anderen das Einkommen sicherstellenden Erwerbsarbeit), die zur Erhaltung und Wiederherstellung der menschlichen Arbeitskraft einschließlich der Kinder notwendig sind z.b. Hausarbeit und Erziehungsarbeit, aber auch ehrenamtliche politische, soziale oder kulturelle Arbeit. (Kommt vor in: 8, 9)
Safe(r) Space
Semioffen
Orte, die für alle zugänglich sind, an denen es aber trotzdem ungeschriebene Erwartungen gibt, wer dort sein und wie man sich verhalten soll. (Komm vor in: 4)
Sich-Selbst-Regieren
Das Ergebnis von Gouvernementalität. Wir kontrollieren unser Verhalten selbst, weil wir die Regeln (z.B. wie man sich an einem Ort zu verhalten hat) verinnerlicht haben. (Kommt vor in: 4)
Spatial displacement
Räumliche Verdrängung
Structural inequality
Strukturelle Ungleichheit
Systematic and enduring forms of disadvantage embedded in language, laws, institutions, and everyday objects — for example, in staircases that exclude people with mobility impairments, or in administrative forms that don’t account for certain ways of life. These disadvantages persist independently of individual intentions and shape unequal access to resources. (Find it in: 6, 8)
Systematische und dauerhafte Formen der Benachteiligung, die sich in Sprache, Gesetzen, Institutionen und materiellen Gegebenheiten verfestigt haben – etwa in Treppen, die den Zugang für Menschen mit Gehbehinderungen erschweren, oder in Formularen und Verwaltungsabläufen, die bestimmte Lebensrealitäten gar nicht vorsehen. Solche in Objekten, Regeln und Sprache ‘geronnenen’ Vorstellungen wirken unabhängig vom Willen Einzelner benachteiligend fort. (Kommt vor in: 6, 8)
Surveillance
Überwachung
The monitoring of individuals or groups through institutional actors, security personnel, policing practices, cameras, or other forms of observation. Surveillance contributes to the regulation of behavior and presence in public space. (Find it in: 4, 6)
Die Beobachtung von Einzelpersonen oder Gruppen durch institutionelle Akteure, Sicherheitspersonal, polizeiliche Praktiken, Kameras oder andere Technologien. Überwachung trägt zur Regulierung von Verhalten und Anwesenheit im öffentlichen Raum bei. (Kommt vor in: 4, 6)
Symbolische Gewalt
Eine Gewalt, die „sanft“ ist, in dem Sinn, dass sie nicht durch physischen Zwang funktioniert. Vielmehr geht es um unsichtbare, unmerkliche Diskriminierung. Symbolische Gewalt ist oft nicht so leicht zu erkennen, aber sie richtet dennoch viel Schaden an. (Kommt vor in: 8)
Tokenism
Praxis, bei der Organisationen (wie Vereine, Firmen etc.) vereinzelt interne Positionen durch marginalisierte Menschen/ Gruppen besetzen, um sich nach außen mit diesen zu „schmücken“. Die einzelnen Menschen nennt man Tokens. Das betont ihre Sichtbarkeit und ihren Symbolcharakter. Die Gesamtorganisation bleibt dabei strukturell von anderen Mehrheiten dominiert. (Kommt vor in: 1, 8)
Tradition
Visibility
Sichtbarkeit
The extent to which people or social issues are present and noticeable in public space. For example, in project 6, homelessness is highly visible physically, while the people experiencing it are often socially ignored. (Find it in: 6)
Die Präsenz und Wahrnehmbarkeit von Menschen oder gesellschaftlichen Probleme im öffentlichen Raum. In Projekt 6 beispielsweise ist Obdachlosigkeit physisch sehr sichtbar, während die betroffenen Menschen gesellschaftlich oft ignoriert werden. (Kommt vor in: 6)