Vom Sternbild zum FLeedel: Infrastrukturen lesbischer FLINTA*-Räume im
Kölner Nachtleben

Das Kölner Nachtleben gilt national wie international als besonders queer-freundlich und schneidet in einschlägigen Rankings regelmäßig gut ab. Ein genauerer Blick auf die Stadtkarte offenbart jedoch eine deutliche Ungleichverteilung: Während schwule Orte, insbesondere im Umfeld der Schaafenstraße, institutionell gefestigt, sichtbar und räumlich konzentriert sind, bleiben Räume für lesbische FLINTA*-Personen selten, über die Stadt verstreut und ständig vom Verschwinden bedroht.
Grundlage der Untersuchung sind Gruppeninterviews mit jungen lesbischen FLINTA*-Personen aus der Kölner Szene. Was sich darin zeigt, ist mehr als eine Bestandsaufnahme von Mangel: Es ist eine dichte Erzählung über Zugehörigkeit, Sicherheit und das, was am Ende noch fehlt.

Wem gehört die Stadt?
Um die beobachtete Ungleichverteilung einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf eine grundlegende Frage: Wie entsteht Raum überhaupt? Raum fällt nicht einfach vom Himmel. Er entsteht im Zusammenspiel der Menschen, die ihn nutzen, ist nie wirklich fertig, sondern befindet sich, mit den Worten der Geografin Doreen Massey, „immer im Prozess des Entstehens”. Verschiedene Lebensentwürfe und Wege treffen darin aufeinander, in einer, wie Massey es nennt, „Sphäre der Koexistenz von Heterogenität”.
In dieser Perspektive ist die Kölner Raumkonfiguration kein Zufall, sondern Ergebnis fortlaufender gesellschaftlicher Aushandlungen. Auf den Punkt gebracht: „If women cannot have space, imagine queer women.“ Öffentlicher Raum wird nach wie vor häufig als heteronormativ und männlich geprägt erfahren. Deshalb ist es für lesbische FLINTA*-Personen eine ständige Herausforderung, sich dort dauerhaft einen eigenen Platz zu schaffen.
Raum und Sexualität bedingen sich gegenseitig. Ein Ort ist nicht einfach queer, sondern wird durch die Praktiken der Menschen, die ihn besuchen, immer wieder neu dazu gemacht. Die Schaafenstraße ist insofern nicht „die schwule Straße“, weil sie es immer schon war, sondern weil sich dort über Jahrzehnte Sichtbarkeit, Ressourcen und politische Unterstützung verdichtet haben; eine Verdichtung, die für lesbische FLINTA*-Räume bislang ausgeblieben ist.

Heute hier, morgen weg
Wo kein fester, dauerhafter Raum existiert, formen sich temporäre Orte. Statt eines kompakten, beständigen Viertels formiert sich queerer FLINTA*-Raum eher wie ein Sternbild: verstreut, unterschiedlich sichtbar und verbunden durch die Wege und Begehrenslinien, die Menschen zwischen einzelnen Orten ziehen. Während eine etablierte „Gayborhood“ wie die Schaafenstraße auf physischer Dauerhaftigkeit beruht, sind FLINTA*-Räume oft flüchtig: Sie erscheinen für einen Abend oder eine Saison und verschwinden wieder.
In Köln zeigt sich das im Wechsel zwischen verschiedenen, oft nur unregelmäßig stattfindenden Formaten: einer Party hier, einem thematischen Abend dort und einem fast einzigen festen Anlaufpunkt, der in den Interviews durchgängig als zentraler Bezugspunkt der Szene genannt wird.

„Es fühlt sich so phasenweise an. Also ich habe das Gefühl, im Sommer haben wir viele Möglichkeiten […], aber das ballt sich dann immer alles auf so ein paar Tage. Du hast das Gefühl, ich muss alles irgendwie mitnehmen. Das ist so richtig FOMO. Weil danach gibt es einfach wieder erstmal nichts. Außer die Boize.“

Auch der feste Ort, die Boize Bar selbst, wird als räumlich knapp bemessen beschrieben. Wenig Platz bedeutet aber nicht nur räumliche Enge: viele Befragte erleben genau diese Nähe auch als etwas Verbindendes, das zusammenschweißt (wortwörtlich). Bemerkenswert ist dabei vor allem die Verwundbarkeit, die aus dieser verbindenden Abhängigkeit von einem einzigen Fixpunkt entsteht: Fällt dieser eine Ort temporär aus (wie im Fall einer baubedingten Schließung während der Erhebung dieser Untersuchung) gerät das gesamte Orientierungssystem der Szene ins Wanken.
Das lässt sich auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen zurückführen, die sich auf wirtschaftlicher wie politischer Ebene fortsetzen und queere FLINTA*-Räume benachteiligen. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass FLINTA*-Personen im Schnitt weniger verdienen (Gender Pay Gap) und deshalb über weniger Geld verfügen, um in eigene Räume zu investieren. Auch Investor*innen setzen bislang eher auf kommerzielle Angebote für schwule Cis-Männer, während FLINTA*-Räume seltener als lohnendes Geschäft gesehen werden. Hinzu kommt, dass FLINTA*-Personen in Politik und Stadtplanung nach wie vor unterrepräsentiert sind und sich deshalb schwerer Gehör verschaffen können. Diese Benachteiligung macht queere FLINTA*-Räume dauerhaft anfälliger für Ausfälle als etablierte, kapitalkräftigere Infrastrukturen.

Gemeinsam durch die Nacht
Bevor ein solcher Ort überhaupt erreicht wird, muss zunächst der Weg dorthin zurückgelegt werden und gerade dieser Weg wird von vielen Befragten als der eigentlich belastende Teil des Abends beschrieben. Öffentlicher Raum lässt sich als „masculinised and heterosexual space” beschreiben: als Raum, der implizit auf heterosexuelle Männer zugeschnitten ist. Von FLINTA*-Personen erfordert das eine ständige Wachsamkeit, die bildhaft als „eingebauter Scanner“ für potenzielle Bedrohungen beschrieben wird.
Ein Begriffspaar aus der Diversitätsforschung lässt sich auf diese Erfahrung anwenden: der Safe(r) Space, ein Ort des Rückzugs ohne Rechtfertigungsdruck, und der Brave Space, der bewusst Mut zur Konfrontation mit Differenz verlangt, meist mit dem Ziel, gesellschaftlichen Wandel zu verhandeln. Im Nachtleben wird in der Regel ein Safe Space gesucht. Das Problem, das sich wiederholt zeigt:

„Es ist gefühlt der Brave Space auf dem Weg zum Safe Space.“

Gemeint ist konkret der Fußweg über die belebten, als heteronormativ erlebten Ringe (die Kölner Partymeile rund um den Hohenzollernring), häufig spät an einem Samstagabend, begleitet von Blicken, die als unangenehm lang empfunden werden, und der latenten Sorge vor Übergriffen. Als Reaktion darauf hat sich eine informelle, selbst organisierte Praxis etabliert:

„Wir gehen ja meistens dann auch immer zusammen zurück, also es ist dann eher so ein Herdending. (..) Zehn FLINTA*-Personen auf den Ringen.“

Sicherheit erscheint hier weniger als eine feststehende Eigenschaft eines Ortes, sondern als das fragile Ergebnis gemeinschaftlicher Anstrengung. Gefühle orientieren Körper im Raum: Die Angst vor dem heteronormativen Blick drängt die Körper im wörtlichen Sinn zusammen und macht den gemeinsamen Zielort zu einem affektiven Fluchtpunkt, an dem Regeneration überhaupt erst möglich wird.

Aufeinander bauen
Wo bauliche und institutionelle Infrastruktur fehlt, übernimmt etwas anderes deren Funktion: die Community selbst. In der Sozialwissenschaft lässt sich das als soziale Reproduktion (Care) beschreiben: die Summe aller Praxen, Güter, Infrastrukturen und Institutionen, die notwendig sind, damit Leben und Gemeinschaft täglich aufs Neue hergestellt und aufrechterhalten werden. Gemeint sind also weniger Gebäude oder Geld als Fürsorge, emotionale Unterstützung und das gegenseitige aufeinander Achten.
Hier greift der aus der Stadtforschung geprägte Begriff der „Menschen als Infrastruktur“: Wo physische Gebäude fehlen, übernehmen soziale Beziehungen selbst die Funktion stabiler Strukturen.

„Wenn wir einfach alle zusammen in einem Club sind und tanzen […] und jeder weiß, dass wenn man sein Getränk jetzt kurz da abstellt, dass tausend Leute darauf ein Auge haben […] ich wusste einfach, da stehen meine Friends und die passen darauf auf.“

Diese Fürsorgepraxis endet nicht an der Tür eines Clubs. Da öffentliche Räume kaum vorhanden sind, wird auch der private Raum informell-solidarisch als gemeinschaftliche Infrastruktur genutzt: Die Interviews für diese Untersuchung fanden auf Initiative der Befragten in einer der eigenen Wohnungen statt, die selbst stolz als „Safe Spaces“ gerahmt wurden. Diese Form informeller Solidarität steht zudem in einer längeren Tradition: Die „Prololesben”-Gruppen der 1980er Jahre in Berlin und Bochum zeigen das eindrücklich. Der Name griff den damals negativ besetzten Begriff „Prolo” bewusst auf und wendete ihn ins Positive, als Ausdruck einer eigenen, stolzen Identität lesbischer Frauen aus Arbeiter*innenfamilien gegen die bürgerliche Dominanz in der Frauenbewegung. Auch sie schufen eigene Gegeninfrastrukturen, wie ein anonymes Umverteilungskonto für Frauen in finanzieller Not, um materielle Notlagen ohne staatliche Unterstützung abzufedern.
Doch schon damals wie heute zeigt sich auch eine Grenze dieser informellen Expertise: Die Gründung eigener Konzepte, Bars oder Cafés wird in den Interviews wiederholt als “hart” und mit erheblichem Risiko verbunden beschrieben, das Zutrauen in unternehmerisches Handeln bleibt entsprechend gering.

„Irgendwie sowas zu eröffnen, ein neues Konzept. Muss man machen. (..) Ich möchte mich generell nicht selbstständig machen, daher. Aber sonst hätte ich das auch, ich hätte auch mal den Traum vielleicht so ein Festival zu machen, aber ich glaube schon, dass es hart ist.“

Die enorme Kompetenz im Organisieren und Sorgen wird so bislang kaum in dauerhafte, institutionell abgesicherte Strukturen übersetzt.

Mehr als genug zum Bleiben
Eine zentrale Spannung in der Kölner Szene lässt sich mit einem Konzept der Theoretikerin Lauren Berlant beschreiben: Cruel Optimism, im Deutschen etwa „grausamer Optimismus“. Dies beschreibt eine Bindung an etwas, das notwendige Zugehörigkeit ermöglicht, das Festhalten aber zugleich verhindert, die eigentliche Ursache eines Mangels zu hinterfragen. Berlant beschreibt das Objekt einer solchen Bindung als ein „Bündel von Versprechen“: auf Zukunft, auf Wohlbefinden, auf eine Zugehörigkeit, die man allein nicht herstellen kann.
Der eine feste Ort ist für viele Befragte von erheblicher Bedeutung, als Ort des Aufatmens und des Ankommens, und gerade diese Bedeutung erschwert es, bestehende Mängel in der Szene offen zu benennen.

„Und wenn man auch überlegt, was, wenn jetzt das, was [die Veranstalterin] halt macht, nicht da wäre? Also Köln ist super offen, und man fühlt sich trotzdem super wohl, aber die Angebote sind ja dann gar nicht da.“

Es lässt sich hier, mit den Worten von Sara Ahmed, von einer „Stickiness“ sprechen: Gefühle sitzen nicht von vornherein in einem Objekt oder Ort, sondern lagern sich erst nach und nach an, je öfter wir mit ihnen in Kontakt kommen. Wie Klebstoff, der mit jeder Berührung mehr aufnimmt, statt es wieder loszulassen. In Köln scheint die tiefe Dankbarkeit der Community besonders stark an einer einzelnen Veranstalterin und an dem von ihr betriebenen Ort zu haften, sodass strukturelle Defizite eher als individuelle Herausforderung denn als politischer Missstand erlebt werden:

„Wir sind unglaublich dankbar, dass die uns diese FLINTA*-Räume… ja, einfach so gibt, aber wir wünschen uns halt einfach ein bisschen mehr Tiefe, also so ein bisschen facettenreicher, das Ganze.“

Die Dankbarkeit ist echt, aber der eigentliche Mangel wird nur zaghaft angedeutet, fast so als müsste man sich dafür rechtfertigen. Das Ergebnis ist eine Art Sackgasse: Man hält die Gegenwart aus, ohne wirklich etwas an den Bedingungen zu verändern. Somit entstehen solche Krisen sozialer Reproduktion (Care) nicht allein aus Ressourcenmangel, sondern treten auch als „Krisen der Gewohnheiten“ auf. Das sind Prozesse, in denen sich Menschen an eingeschränkte Lebensweisen anpassen, ohne diese dauerhaft als Krise zu erleben. Ein Anspruch wird dabei oft gar nicht erst formuliert, weil das Zurechtkommen mit den bestehenden Bedingungen selbst zur Gewohnheit und damit zum impliziten Maßstab geworden ist.

Ein Platz in der Stadt
Bei aller Knappheit lässt die Untersuchung keinen Zweifel daran, dass es an Vorstellungskraft nicht mangelt. Die Befragten entwerfen sehr konkrete Bilder davon, wie ein angemesseneres Nachtleben und andere FLINTA*-Orte aussehen könnten: eine Kneipe mit Billardtisch, ein Frühstückscafé für den gemeinsamen Austausch am Morgen danach, ein Club mit mehreren Musikrichtungen unter einem Dach, im Idealfall eine ganze Straße.

„Die schwulen Männer haben eine Straße bekommen, wieso haben wir nichts? Wieso haben wir einen kleinen Keller? Das ist doch nicht fair.“

Aus genau diesem Wunsch nach Gleichberechtigung im Stadtbild ist in einem der Gruppeninterviews ein Begriff entstanden, der diesem Projekt seinen Titel gegeben hat:

„Wir brauchen mehr queere Räume in Köln. Wir brauchen lesbische Räume. FLINTA*-Räume. Ja. Wir brauchen ein Veedel. Ja, wir brauchen ein FLeedel. Wir brauchen FLeedel!“

Ein FLeedel: ein Veedel für FLINTA*-Personen. Die Forderung zielt nicht auf eine Parallelwelt, sondern auf jene Sichtbarkeit und institutionelle Verstetigung, die der schwulen Szene in Köln längst zur Verfügung steht. In der Bildungsforschung sagt man, es geht um das Erschaffen von Welten, die „noch nicht erdacht, noch nicht praktiziert, noch nicht in Sicht“ sind, und die genau dadurch zum Motor einer Szene werden können, die sich die Gegenwart bislang vor allem erträglich macht und von Utopien träumt.
Diese Befunde sind nicht als Kritik an der Community zu verstehen, sondern als Hinweis auf eine erhebliche, weitgehend unsichtbare Leistung: Die informelle Organisation von Sicherheit, Fürsorge und Zugehörigkeit kompensiert dort, wo eigentlich öffentliche Infrastruktur gefragt wäre; ohne bislang in dauerhafte, materielle Strukturen übersetzt zu werden, die über den guten Willen einzelner Akteurinnen hinausreichen.
Genau daraus ergibt sich auch das politische Potenzial dieser Forschung. Die Expertise im gegenseitigen Schutz, in der Organisation von Gemeinschaft, im Schaffen von Räumen selbst unter widrigen Bedingungen ist längst vorhanden. Sie müsste lediglich aus dem informellen, privaten Rahmen herausgeführt und in dauerhafte, öffentlich sichtbare Infrastruktur übersetzt werden; nicht als prekäre Leistung engagierter Einzelner, sondern als Frage räumlicher Gerechtigkeit.
Um diese Ambivalenz zwischen Zugehörigkeit und struktureller Grenze auf den Punkt zu bringen:

„Überleg mal, wie oft wir im Sommer an der Boize waren, aber nie drin. Wir waren immer davor, weil da halt die Leute waren, mit denen wir normalerweise drin sein wollten.“

Bis dahin bleibt: zehn FLINTA*-Personen, als Herde auf den Ringen. Und die Forderung nach einem FLeedel.
…Oder?

Let’s empower!
Lesbische und FLINTA*-Netzwerke haben sich in Deutschland immer wieder selbst organisiert, oft ohne stabile Strukturen, aber mit viel Kontinuität im Alltag. Ein Beispiel dafür ist der Spinnboden: Lesbenarchiv und Bibliothek in Berlin.
Er ist in den 1970er-Jahren aus der Frauen- und Lesbenbewegung entstanden, zunächst als private Sammlung von Flugblättern, Zeitschriften und Materialien aus der Szene. Die Idee dahinter war schlicht: Dinge festhalten, die sonst verloren gehen würden.
Heute ist der Spinnboden ein Archiv und eine Bibliothek, in dem diese Geschichte weiter zugänglich bleibt und zeigt, dass aus kleinen, selbstorganisierten Anfängen dauerhafte Strukturen entstehen können.
Dieser (Online-)Ort soll ein kleines Geschenk sein: an alle, die für diese Untersuchung ihre Zeit, ihre Geschichten und ihr Vertrauen gegeben haben, an die lesbische FLINTA*-Szene in Köln. Ein Ort, an dem sich austauschen und organisieren lässt: über Skills, die man mitbringt, Erfahrungen aus Job oder Alltag, Ideen, die man teilen will. Wer weiß, wie man einen Verein gründet, eine Förderung beantragt oder ein Event plant, kann das hier einbringen; genauso wie die, die einfach nur einen Traum haben, den sie loswerden wollen, eine Kneipe, ein Café, ein FLeedel. Kein fertiges Konzept, sondern ein Anfang, so wie der Spinnboden auch einmal eine private Sammlung war, bevor daraus mehr wurde.
Tanzen. Träumen. Tragen. Am Ende ist es genau das: gemeinsam tanzen, gemeinsam träumen und einander tragen, bis aus dem Getragenen etwas Eigenes wird.

Café. Kneipe. Kommentarspalte!
Diese Kommentarspalte soll ein Ort für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Weiterdenken sein: ein Ort, an dem Erfahrungen geteilt, Wissen weitergegeben und neue Verbindungen geknüpft werden können. Er lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven und Ideen zusammenkommen. Bitte sprecht aus der eigenen Erfahrung, hört einander zu und begegnet unterschiedlichen Lebensrealitäten mit Offenheit und Respekt.
Nicht willkommen sind diskriminierende, queer- und transfeindliche, rassistische, ableistische, sexistische oder anderweitig abwertende Beiträge. Kritik und unterschiedliche Sichtweisen haben Platz, solange sie die Würde, Sicherheit und Existenzberechtigung anderer nicht infrage stellen.
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3 Kommentare

  1. Hey Vivienne,
    danke für den tollen und anregenden Artikel. Ich hab mit Freude von den lesbischen Utopien gelesen – und finde vieles aus meiner Forschung darin wieder 😉
    Ein paar Anregungen:
    Zum einen finde ich die Betrachtung der Boize Bar bzw. der Betreiberin und zugleich ja auch Veranstalterin der größten lesbischen Partys (Deutschlands) als diese Heterotopie, die du bzw. deine Interviewpartner:innen beschreiben, etwas einseitig, da hier ja auch eine enorme finanzielle Dimension eine Rolle spielt, die du für die Schaafenstraße – zurecht – kritisierst, an dieser Stelle jedoch nicht. Damit möchte ich nicht das finanzielle Kapital der Schaafenstr. verteidigen, sondern vielmehr auf die kapitalistischen Logiken solcher Orte, die sich bspw. von solchem wie dem Spinnbodenarchiv unterscheiden, hinweisen.
    Zum anderen finde ich deine Verwendung der Begriffe queer, lesbisch, FLINTA, Frauen uneinheitlich und unklar. Ich lese den Artikel so, als beschreibe er die Perspektive lesbischer Frauen. Es wird aber nicht ganz klar, ob du auch lesbische TINAQ Personen befragt hast und inwiefern sich deren Perspektiven unterscheiden. Oder ob du Frauen und FLINTA synonym setzt.

    Ein letzter Denkanstoß: Wäre ein FLeedel wirklich so erstrebenswert? Oder würde das nicht ähnliche Ausschlüsse reproduzieren wie die Schaafenstr.? Und braucht es nicht eigentlich ganz andere, queerere Konzepte und Räume?

    • Hey Sascha,
      danke für deinen wertvollen Input! 🙂
      Zur Begriffsverwendung: Meine Interviewpartnerinnen identifizieren sich selbst als queere oder lesbische Frauen – FLINTA* ist in den Interviews also faktisch synonym mit Frauen zu lesen. Mein ursprüngliches Interesse galt allen queeren FLINTA*-Personen, der Feldzugang zu TINAQ-Personen gestaltete sich für mich aber schwierig. Das ist ein berechtigter blinder Fleck: Die Erfahrungen lesbischer/queerer Frauen sind nicht repräsentativ für TINAQ-Personen, und ihre eigenen Perspektiven – auch auf Ausschlusserfahrungen innerhalb vermeintlicher Safe Spaces – sind nicht nur für queere Stadtforschung, sondern grundsätzlich enorm wichtig. Danke für den Hinweis.

      Zur finanziellen Dimension der Boize: Absolut richtig, die kapitalistische Logik ist auch hier zu benennen: anders als beim Spinnboden, der als nicht-konsumgebundener, solidarisch-informeller Ort etwas grundsätzlich anderes ist. Im Nachtleben unterwegs zu sein und dabei Geld auszugeben ist etwas, das heteronormativen Menschen selbstverständlich offensteht – dasselbe sollte auch für FLINTA*-Personen in einem sicheren Rahmen möglich sein. Das nimmt der kapitalismuskritischen Perspektive nichts weg, ergänzt sie aber um eine Zugangs- und Gerechtigkeitsfrage in Bezug auf Vergesellschaftungsformen. Wichtig bleibt trotzdem: Ein einzelner kommerzieller kapitalkräftiger Ort darf nicht der einzige Ankerpunkt für Community und Safe Space sein.

      Und zu deinem Denkanstoß, ob ein FLeedel wirklich erstrebenswert wäre oder ähnliche Ausschlüsse reproduziert: ist vielleicht beides denkbar – ein FLeedel als sichtbare, dauerhafte Infrastruktur, und gleichzeitig ganz andere, queere Raumkonzepte? Oder würde das eine dem anderen am Ende doch im Weg stehen?

  2. Danke für die gute Zusammenfassung der Realität von FLINTA* in Köln!
    Ich wohne seit 3 Jahren wieder in Köln und war sehr irritiert, als ich feststellte, wie reduziert die Orte für uns geworden sind! Vor über 25 Jahren habe ich bereits kurz in Köln gewohnt und kann mich erinnern, dass es mehr Räume und Veranstaltungen gab (habe selbst auf einer Lesbenparty im Gloria gearbeitet)..
    hinzu kommt, dass die Angebote für ältere FLINTA* noch winziger ist.
    Deshalb habe ich eine freundliche Übernahme gestartet, welche erstmals im Juni stattfand. Sie nennt sich Traube, auf IG zu finden unter: traube.cgn
    Sie findet in Nippes in der Bar „Rakete“ statt- eine tolle Möglichkeit den Raum zu unserm zu machen- für alle FLINTA* 30++!
    Next Date: 05.09. von 16-22h. Kommt rum, connected Euch und habt eine gute Zeit! 💜
    Perspektivisch findet die Traube dann alle 1x/Quartal statt! 🍇

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Abou, Tanja. 2015. ‘Prololesben und Arbeiter*innentöchter: Interventionen in den feministischen Mainstream der 1980er und 1990er Jahre’, Kulturwissenschaftliche Zeitschrift, 4.

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Reggiani, Marta, Julie D. Gagnon, und Rachel J. Lunn. 2023. ‘LGBT+ Academics’ and PhD Students’ Experiences of Visibility in STEM: More than Raising the Rainbow Flag’, Higher Education, 1–19.

Auch Forschung hat einen Standort.

Meiner ist dieser: Ich bin Vivienne, 28, Masterstudentin der Kulturanthropologie (Transkulturelle Studien) an der Universität Bonn. Ich bin weiß, cis, heterosexuell, able-bodied, akademisch gebildet und bewege mich damit durch viele Räume mit vielen Privilegien.

Als Frau teile ich manche Erfahrungen meiner Interviewpartner*innen. Die Erfahrung, als queer gelesen zu werden oder dem heteronormativen Blick in derselben Weise ausgesetzt zu sein, kenne ich jedoch nicht. Diese Position möchte ich mitdenken und sichtbar machen.

Dieser Beitrag ist aus Respekt, Neugier und Dankbarkeit entstanden. Ausgangspunkt war die Frage, wo lesbische und queere FLINTA*-Personen in einer Stadt ihren Platz finden, wenn queere Infrastruktur in Köln so oft mit Räumen für schwule Männer gleichgesetzt wird. Mein Anliegen war dabei nicht, für andere zu sprechen, sondern zuzuhören. Die Erfahrungen und Perspektiven, die hier sichtbar werden, sind aus dem Vertrauen meiner Interviewpartner*innen entstanden und haben diese Arbeit überhaupt erst möglich gemacht.

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